100 % Criollo
DaliLeo
Aus einer ehemals ausgelaugten Kaffeeplantage im Zentrum Guatemalas ist ein diverses Agroforstsystem geworden.
DaliLeo – das sind Beronica, Lorenzo und ein Wald, der den Criollo zurückbringt.
Eine Finca im Polochic-Tal, 450 Hektar, ein Wasserstromgenerator und eine Idee:
Aus einer ehemaligen Kaffeeplantage wird ein Criollo-Kakao-Renaturierungsprojekt, in dem alles – vom Samen bis zum Block – an Ort und Stelle entsteht.

Die Finca El Porvenir liegt im Polochic-Tal in Alta Verapaz, zwischen Semuc Champey und dem Río Dulce – auf dem Land der Maya Q’eqchi’. Vor fast 20 Jahren war das hier eine alte Monokultur-Kaffeeplantage, deren Wald drumherum eher abgeholzt als gefördert wurde.

DaliLeo baut Criollo an, die ursprüngliche Kakaosorte Zentralamerikas: fein, floral, kaum bitter, mit cremigem Fett. Weil Criollo weniger Früchte trägt und empfindlicher ist als Hybride, wurde er fast überall verdrängt. DaliLeo holt ihn zurück.
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Kakao wächst bei DaliLeo nicht in Reihen, sondern in einem Wald aus mehreren Stockwerken: im Schatten hoher Harthölzer, zusammen mit Kardamom und Kaffee. Schweine, Schafe und andere Tiere halten das Unterholz kurz und düngen den Boden.
Das Ergebnis: Der Boden speichert mehr Wasser, das Mikroklima bleibt feucht und kühl – so, wie der empfindliche Criollo es braucht. Was die Chemie ersetzt, sind Menschen mit Macheten – und ein System, das sich selbst erhält.
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Die Finca liegt ländlich abgeschieden – eine Infrastruktur für Elektrizität gab es dort nicht. Jetzt kommt ihr Strom aus einer eigenen Wasserturbine, gespeist von den Quellen auf dem Gelände, ergänzt durch Solar. Damit laufen Licht, Werkstatt und die Steinmühlen, in denen der Kakao gemahlen wird, aus erneuerbaren Quellen.
Alles passiert auf der Farm. Sechs Schritte, alle von Hand – und am Ende ein Block aus hundert Prozent Kakao.

Kakaomasse aus regenerativer Agroforstwirtschaft in Guatemala. Fermentiert, sonnengetrocknet, leicht geröstet und fein steingemahlen – cremiger Kakao, ideal für den täglichen Genuss & Zeremonien.
100 % CriolloBeronica und Lorenzo führen die Finca – sie kümmert sich um Produktion und Qualität, er baut das Agroforstsystem und die technische Infrastruktur. Zusammen mit ihnen arbeiten Familien aus den umliegenden Dörfern:
die Frauen in der Verarbeitung, die Männer in Baumpflege und Ernte.

Beronica und Lorenzo lernten sich vor mehr als zwei Jahrzehnten kennen – auf Lorenzos Reise durch Guatemala. Er kam in das Hotel, in dem sie als Hotelfachfrau arbeitete; ziemlich schnell verliebten sich die beiden ineinander.
In der Wirtschaftskrise Guatemalas erwarben sie gemeinsam die ehemalige Kaffeeplantage – und begannen eine Farm, auf der Maya-Weisheit und Agroforst-Design ineinandergreifen.

Geben aus Liebe – und dankbar sein für das, was das Land zurückgibt.
Beronica ist Maya Kaqchikel. Kakaoanbau und den Umgang mit dem Land hat sie als Kind von ihrer Großmutter gelernt. Auf der Finca verantwortet sie Produktion und Qualität – von der Auswahl der Bohnen bis zum fertigen Block. Zu den Zeremonien auf der Farm gehört auch ihr Dankbarkeitsritual.

„Wir verkaufen keine Bonbons.
Kakao ist eine Medizin.“
Lorenzo kommt aus Québec und arbeitete in der Finanzwelt von Montreal, bevor er Anfang der 2000er alles hinter sich ließ. In Guatemala fand er die verlassene Kaffeeplantage – und entwarf daraus ein Agroforstsystem – für uns eine der eindrucksvollsten Farmen, die wir bisher in Zentralamerika gesehen haben.

Die Verarbeitung auf der Finca liegt in Frauenhänden. Die Frauen sortieren die Bohnen, wachen über Fermentation und Trocknung, rösten über dem Feuer und mahlen den Kakao. Das Rösten ist dabei Gefühlssache: leicht und kurz, damit das Aroma bleibt.
Gerade alleinstehenden Frauen aus der Umgebung bietet die Farm einen sicheren Arbeitsplatz. Sie werden hier geschult und können unabhängig von Männern eine eigene Arbeit ausüben – was in Guatemala leider noch unüblich ist.




Die Männer kümmern sich um Erde und Pflege: Sie schneiden das Unterholz, veredeln junge Bäume, pflanzen nach, ernten und halten die Wege frei.
Alles von Hand – auf 450 Hektar.
„Mit der Nutzung von Herbiziden hätte ich in zwölf Jahren rund 300.000 Dollar gespart“, rechnet Lorenzo vor. Stattdessen sind daraus Arbeitsplätze geworden – für Männer aus den umliegenden Q’eqchi’-Dörfern, mit Ausbildung im Kakaohandwerk und einem Einkommen, das im Tal bleibt.



Je nach Saison leben und arbeiten bis zu sechzig Menschen auf dem Gelände, die aus den umliegenden Dörfern kommen.
Gekocht wird gemeinsam; über achtzig Prozent des Essens stammen vom eigenen Land.
Dazu kommen die Gäste: Permakultur-Design-Kurse, „Cacao Convergences“ und Zeremonien, die Älteste aus der Region begleiten – mit Marimba, Feuer und Kakao. So bleibt die Finca ein Ort, an dem Wissen in beide Richtungen weitergegeben wird.
Schweine, Schafe, Kühe, Pferde, Vögel – sie halten das Unterholz kurz, düngen den Boden und gehören zur Gemeinschaft der Finca wie die Menschen.

Echter Criollo Blanco hat weiße Bohnen, die sich erst nach kurzem Trocknen lila färben; Hybride und Forastero sind von Anfang an lila. Weil Kakao kreuzbestäubt wird, können die Bohnen einer einzigen Frucht bis zu 30 verschiedene Väter haben – die Criollo-Genetik verwässert schnell, wenn andere Sorten in der Nähe stehen.
Lorenzo hat in der Region nach reinen Bäumen gesucht und 19 Criollo-Mutterbäume gefunden, die er isoliert hält. Die Farm ist in Sektoren geteilt, die Bäume stehen rund 4,5 Meter (15 Fuß) auseinander, natürliche Barrieren trennen die Linien – so bleibt die Kreuzbestäubung unter Kontrolle; Hybride werden systematisch entfernt.

Damit die Criollo-Linie wächst statt zu verschwinden, werden junge Bäume veredelt: Triebe alter Bäume mit hohem Weißbohnen-Anteil werden auf kräftige Unterlagen gepfropft. Lorenzo und die Männer der Finca machen das von Hand, Schnitt für Schnitt.


Agroforstwirtschaft heißt: Nutzpflanzen wachsen nicht auf freiem Feld, sondern in einem Wald aus mehreren Stockwerken – so, wie in der Natur. Bäume, Sträucher, Kräuter und Tiere ergänzen sich, statt zu konkurrieren.
Kakao ist ein Baum des Unterholzes: In der Natur steht er im Halbschatten größerer Bäume, geschützt vor praller Sonne und Wind. Genau das baut Lorenzo nach.
Pro Baum fällt die Ernte geringer aus als in den üblichen Monokultur-Plantagen.
Doch ein Agroforstsystem bietet dafür mehr Vielfalt: Kardamom, Kaffee, Harthölzer wie Teak, Mahagoni und Zedro, Honig, Fleisch und Fisch – sowie eine höhere Resilienz gegenüber Krankheiten wie Moniliasis und klimatischen Veränderungen.

Alle Bäume der Finca – Harthölzer wie Kakao – stammen aus der eigenen Baumschule. Unter Palmdächern keimen die Samen in Erdsäcken, wachsen im Halbschatten heran und werden erst gepflanzt, wenn sie kräftig genug sind.

Es geht nicht nur darum, die Essenz des Kakaos zu bewahren – ob in der Tasse, als Block oder in der Zeremonie. Es geht darum, der Erde etwas zurückzugeben: Je mehr Kakao DaliLeo produzieren und teilen kann, desto mehr wächst der artenreiche Wald dort. Die Hänge der Finca El Porvenir, reich an Flora und Fauna, dienen den Produkten – vor allem aber sichern sie wachsende Ökosysteme über Generationen. In der Hoffnung, andere zur Aufforstung und nachhaltigen Landwirtschaft zu bewegen.
